Der Automatisierungs-Denkfehler
Wer die Hälfte eines Jobs automatisieren kann, hat nicht die Hälfte der Jobs automatisiert. Ein Gedanke dazu, wo der Wert von Arbeit wirklich sitzt.
Ein Satz, den man ein paarmal hin- und herdrehen sollte:
Nur weil ich 50 Prozent eines Jobs automatisieren kann, heißt das nicht, dass ich 50 Prozent der Jobs automatisieren kann.
Klingt wie Wortklauberei. Ist es nicht.
Das Beispiel: der Data Analyst
Was macht ein Data Analyst zwei Drittel seiner Zeit? Reports ziehen. Für irgendwelche Leute, aus irgendeiner Datenbank, aufbereitet als Excel-Tapete, PDF oder PowerPoint.
Der eigentliche Mehrwert liegt woanders: neue Datenquellen anschließen und dafür sorgen, dass die Datenqualität stimmt. Nicht das Ziehen.
Das Ziehen kann man automatisieren. Welche Daten reinkommen und ob der fertige Report überhaupt eine Aussagekraft hat, das sind zwei völlig andere Kompetenzen. Die gehören trotzdem zur Datenanalyse. Sie stehen nur nicht im Zeitplan, weil das Ziehen den Zeitplan gefressen hat.
Der Fehler im Kopf
Der Denkfehler geht so: Man misst, wie viel Zeit in einem Job auf wiederholbare Handgriffe entfällt, und rechnet das eins zu eins in „ersetzbar“ um. Zwei Drittel Reports ziehen, also zwei Drittel weniger Analysten.
Nur ist der Job nicht die Summe seiner Handgriffe. Die wiederholbaren Teile sind das, was man sieht, weil sie laut sind und Zeit fressen. Der Rest ist leise: entscheiden, welche Quelle vertrauenswürdig ist, merken, dass eine Zahl nicht stimmen kann, den Report gar nicht erst bauen, weil die Frage falsch war.
Wenn man das Laute automatisiert, verschwindet nicht der Job. Es verschwindet der Teil, der ihn langweilig gemacht hat.
Die bessere Frage
Die Frage ist also nie „Wie viel davon kann ich automatisieren?“. Die Frage ist: Welcher Teil ist der Handgriff, und welcher Teil ist das Urteil? Den ersten Teil gibt man gern ab. Beim zweiten sollte man wissen, was man tut.